Januar 2010



31.01.2009, Stadion im Borussia-Park
VfL Borussia Mönchengladbach - SV Werder Bremen 4:3

Werder scheint mit dem heftigen Winter überhaupt nicht klar zu kommen. Seit dem es vor ein paar Wochen, so Mitte Dezember, erstmals richtig frostig wurde und es in einer Tour schneite, hagelte es nur noch Pleiten für unsere grün-weißen Früchtchen auf dem Rasen. Mal bemühten sich Werders Spieler, um am Ende, wie gegen Bayern München, vom Gegner zu Obstsalat verarbeitet zu werden. Mal ließen sie sich von der Siegerstraße pflücken und anschließend schwuppdiwupp vernaschen, so wie es eben ein Schimpanse pflegt seine ihm völlig untergebene und willenlose Banane zu schälen und so wie es Eintracht Frankfurt mit dem SV Werder tat. Wiederum ein anderes Mal, beispielsweise beim Nordderby Ende Dezember, wirkte die Mannschaft wie vor sich hin faulende Aprikosen. Aber das, was sich hier auf dem Rübenacker nahe der niederländischen Grenze zutrug, entbehrte nun aber wirklich jeder Frischobst-Grundlage. Nach nicht mal 18 Minuten führte Borussia Mönchengladbach mit 3:0. Das Gegurke hatten diejenigen, die sich sonst um ein "Fahne runter!" oder gar ein "Ultras raus!" nicht zu schade sind, längst satt und forderten lautstark ein "Wir woll'n euch kämpfen sehen!", was sich immer genau dann schlagartig in einen Freudentaumel umschlug, wenn Werder die Kirsche im Gehäuse unterbrachte - also genau drei Mal. Es wird immer wieder ersichtlich, wie schnell diese Unmenschen empört sind, wenn es mal nicht mit dem Filetieren der gegnerischen Abwehrreihen klappt. Die Trauben hängen meiner Meinung nach ohnehin viel zu hoch. Natürlich will ich mich mit dem tabellarischen Mittelmaß nicht zufrieden geben, die letzten Jahre zeigen aber eben immer wieder, dass selbst ein 0:3 nach 18 Minuten nicht gleich eine Niederlage bedeuten. Klar, war das hier von einigen Spielern absolute Grütze. Allein der Grund, auch im Gästesektor so für akustisches Pflaumenmus zu sorgen, wollte mir nicht in die Birne. Wie schön, dass es noch ein paar Leute gab, die so denken wie ich und den ganzen Fan-Kompost übertönen konnten. Allgemein ein ganz ordentlicher Auftriit mit viel Fahneneinsatz.
Die Heimseite verlebte einen scheinbar ruhigen Nachmittag, trotz der vier Tore ihrer Mannschaft. Vielleicht kränkte den Pöbel, der seinen Block 1900 nun in die Ecke unter das Dach verschoben hat, die leichtfertig verpasste Chance, sich vor dem Spiel an den quasi auf dem Silbertablett kredenzten Materialien zweier Gruppen aus Bremen zu bedienen. Bevor ich mich hier aber noch zum Obst mache, beende ich nun diese durch und durch verquirlte Bananensuppe und gehe Apfelsinen pellen.

Foto: 1x Danke an borussia.pugbowler.de





16.01.2010, Waldstadion
SG Eintracht Frankfurt - SV Werder Bremen 1:0

Da die Winterpause erstmals um zwei Wochen amputiert wurde, ging es also erstmals Mitte Januar schon wieder mit der Bundesliga weiter. Uaaaaah, also raus aus dem Winter-Mief, schließlich riefen die Cordon Sportler von Eintracht Münzmallorca zum Rückrunden-Auftakt.
Zur Abwechslung wählten wir mal wieder die Bahn als Anreisemittel an den Main, während die Jungs und Mädchen aus Bremen wie gewohnt mit dem Bus nach Hessen rollten, zumindest Teile davon sich aber einer peniblen Bullenkontrolle vor den Toren Frankfurts unterziehen mussten. Dies hatte zur Folge, dass die Barra erst nach zwanzig Minuten fahnenschwenkend und unter den Skandierungen "Werder Bremen Hurensöhne" der Heimseite in den Gästeblock einlief. Weil ich schon gerade dabei bin, das Anti-Gesangs-Repertoire zu öffnen - hier mal als kurzer Einwurf die aktuellen Diss-Charts aus der Frankfurter Nordwestkurve: Das eben zitierte "Hurensöhne" auf Platz 3, Rang 2 nimmt ein "Scheiß Werder Bremen" ein. Und die krönende und sich selbst völlig übertroffene Number One: "Ohne Wiese fahr'n wir zur WM". Ja was denn nun? Ich dachte immer, Frankfurt zähle sich nicht zu Deutschland. Oder durften wir dies als ein "Ohne Wiese fahr'n wir leider nicht zur WM" verstehen, quasi als den lang gehegten, aber nie beachtenen Wunsch des bunten, internationalen Frankfurter Migranten-Mix registrieren, der die Tatsache verkündet, dass der grandiose Torhüter des SV Werder in den nächsten Dekaden leider niemals den Kasten ihrer jeweiligen Nationalelf würde behüten können?!
Das Spiel ging, wie auch schon die Begegnung in der Hinserie, an die SGE. Unter diesen Umständen war der grün-weiße Auftritt auf den Rängen als durchaus solide zu bewerten - vier große Schwenker der Gruppen, paar Doppelhalter, passt soweit. Wenn nun auch noch die Zaunfahnen an den Zaun können, gibt's irgendwann auch den Handkuss für die Ordner. Das heißt, nee - soweit geht's nun wirklich nicht.
Nach dem Abpfiff ging es einigermaßen geschlossen zurück zum Busparkplatz, wobei es einige der "Sexismus Hooligans 1997" noch hinter der Tribüne auf's Neue mit einem Angriff versuchten, der natürlich nicht wirklich überraschte und dem soweit auch Einhalt geboten werden konnte. Ich weiß nicht exakt, inwieweit Äppelwoi in Verbindung mit Amphetaminen diese sinnlose Überschätzung mit sich bringt - eine gut 150-köpfige Gruppe mit 30 Leuten anzugreifen gehört wohl zum Frankfurter Surrealismus. Und ürbigens, liebes Angriffsvolk: Echte Superhelden hatten schon immer enge Jogginganzüge aus Latex, ha!
Der weitere Rückweg wurde gemächlichen Schrittes abgespult, nicht allerdings ohne die wilde Jagd von einigen SKrupellosen auf irgendwelche DB-Kunden am Hauptbahnhof zur Crimetime zu beäugen. Ihr bleibt eben doch die Hauptstadt des Erbrechens...


Zur Never-Ending-Story im
Dezember 2009