März 2010
23.03.2010, Weserstadion
SV Werder Bremen - FC Augsburg 2:0
Bericht folgt...
Danke für die Bereitstellung von vier Fotos
11.03.2010, Estadio de Mestalla
Valencia CF - SV Werder Bremen 1:1
Bericht folgt...
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06.03.2010, Stadionul Stefan cel Mare
FC Dinamo Bucuresti - FC Ceahlaul Piatra Neamt 1:1
Zurück in Bucuresti ging’s kurz auf’s Hostel und dann zum Dinamo-Stadion, das sich direkt an der Metrou-Station „Stefan Cel Mare“ befindet. Vor den Kassen versuchten alte Damen Sonnenblumenkerne zu verkaufen. Zudem patrouillierten hier mehrere Dutzend Bullen den Stadioneingang, den wir fix überwunden hatten. Im weitläufigen Stadion war noch nicht viel los, dafür bevölkerten schon rund 50 Gäste einen Sektor und sangen sich schon mal ein. Weder vom Verein Ceahlaul noch von der ostkarpatischen Stadt Piatra Neamt hatte ich zuvor etwas gehört. Umso überraschender, dass hier überhaupt ein Mob anwesend war und mit einem „Gate 7“-Banner dem Kind auch einem Namen gaben. Erst kurz vor Anpfiff hängte die Heimkurve ihre Banner an den Zaun, das große „Peluza Catalin Hildan“ ist erst nach knapp zehn Minuten vollständig aufgehangen. Catalin Hildan war übrigens ein Spieler in Reihen Dinamos, der im Jahre 2000 bei einem Freundschaftsspiel auf dem Feld zusammenbrach und wenig später starb. Ähnlich wie bei Petrolul und Rapid gab es vor etlichen Jahren auch hier die Spaltung der Szene, nachdem sich der Peluza Catalin Hildan zu sehr mit dem Verein kooperierte. Einige Gruppen wollten die volle Unabhängigkeit und splitteten sich vom PCH. Von den „Abtrünnigen“ ist allerdings kaum etwas zu sehen. Die „Brigate“ ist mittlerweile auch wieder in der Kurve, aus der die Hauptaktivitäten von „Nuova Guardia“, „Panzer“ und „Mad Men“ gehen. Zwar erst etwas behäbig, zwischendurch aber doch ganz gute Lautstärke. Dinamos rechte Gesinnung machte sich heute vor allem im Schwenken einer Keltenkreuz-Fahne bemerkbar. Unterm Strich reichte der PCH nicht annähernd an die Qualität von Rapids Auftritt am Freitag heran. Achja, kleine Anekdote am Rande: Welches Tier verbindest du mit Bukarest als erstes? Richtig, den Straßenköter. Genau dieses Geschöpf ist nicht nur wichtiger Bestandteil des Vereinswappens und in der Ultraszene („Dogs Of War“), nein, nach den Toren ertönt hier allen Ernstes Hundegebäll aus den Boxen, haha! Hätte nur noch gefehlt, dass die Streuner auch im Stadion umher wuseln.
Die heftige Schneeballschlacht in der Halbzeit schien nun endgültig die Energie für die zweite Halbzeit zu verbrauchen, denn die zweiten 45 Minuten war es echt nicht doll was vom PCH herüber kam. Auf dem Feld erreichte Ceahlaul doch tatsächlich noch den Ausgleich, was auf der einen Seite schönes Abkotzen über den verpassten Sprung auf den zweiten Platz gab und im Gästeblock einen feinen Zaunsturm. Überhaupt war Gate 7 immer wieder mal zu hören und mit ihren Schwenkern auch oft in Bewegung.
Mit einer Tüte Sonnenblumenkernen verließen wir nach Spielabpfiff die Stätte um nach einer kleinen Stärkung keine drei Stunden später wieder am Stefan Cel Mare („Stefan der Große“) aufzutauchen. Fitschek hatte im Vorfeld ausgekundschaftet, dass im nach eigenen Aussagen „angesagtesten Club Osteuropas“ Marco Carola auflegen sollte. Kurz vor Mitternacht (nach 0 Uhr hätte der Spaß 40 Lei gekostet) also im Kristal Club eingecheckt und bis in die frühen Morgenstunden zu feinstem Techno vom Herren aus Napoli gezuckt. Die Nacht wurde dann doch so lang, dass wir im Prinzip gleich zu Chiajna gegen Farul Constanta hätten aufbrechen, aber irgendwann brauchen selbst unsere Astralkörper Ruhe.
Daher war Ausschlafen angesagt, noch mal eine gemütlich Runde durch Bukarest drehen und mit einem vernünftigen Essen der Hauptstadt den Rücken kehren. Bucuresti zeigt sich uns in all seinen Facetten. Am Gara de Nord die Straßenkinder und unheimlich viele Köter, aufgeschlagene Straßen und in sich zusammenfallende Häuser. Auf der anderen Seite waren die breiten Boulevards fast alle erneuert, deutsche Prollwagen pflasterten die Straßen neben den kleinen Dacia Logans, die Metrou fuhr mit zum Teil hochmodernen Wagen und Ceaucescus Monster-Palast ist ohnehin allgegenwärtig. Touristen waren so gut wie gar nicht auszumachen und so profitierten wir im Kneipenviertel am Piata Unirii von den unverschämt günstigen Preisen. Für eine üppige Platte mit allen möglichen Sorten Fleisch, Wurst, Kraut und kleinen Kartoffeln sowie jeweils vier Bier lassen wir nicht mehr als zehn Euro pro Kopf – Wahnsinn!
Anschließend hauten wir fast unser komplettes Romania-Geld am Bahnhofs-Kiosk für die Verpflegung raus. Für umgerechnet drei Euro latschten wir mir drei vollbepackten Tüten in Richtung Gleis, um auf den Zug nach Belgrad aufzuspringen. Nach langen Geschichten und Schabernack fielen auch uns irgendwo in Transsylvanien die Augen zu. Mit 45 Minuten in Timisoara angekommen, gar nicht lang überlegt und dem ersten Taxi-Meister den Zuschlag gegeben, der uns für 8 Euro die zwanzig Minuten zum Flughafen chauffierte - natürlich nicht, ohne noch mal zu fragen, ob wir kurz vor Abflug nicht Interesse am westrumänischen Straßenstrich hätten.
Über den Balaton ging es dann also wieder in heimische Feder. Klasse Tour, an der es kaum etwas Auszusetzen gibt und die preistechnisch absolut verkraftbar war. Das nächste Mal aber bitte mit Wölfen und Bären, hehe.
06.03.2010, Stadionul Ilie Oana
FC Petrolul Ploiesti - FC Snagov 2:0
Langes Ausschlafen gab’s auch heute nicht. Unser Wecker schellte 8:30 Uhr. Nach kurzem Rührei-Schinken-Frühstück von Constatin schnappten wir uns den Zug für keine drei Euro ins 60 Kilometer entlegene Ploiesti. Von Constatin hatten wir erfahren, dass die 230.000-Einwohner-Stadt in den vier Jahren, die er das Hostel betreibt kein einziger Gast aufgesucht hatte. Aber hey, wir sind hier auch nicht bei Neckermann und schon gar nicht zum Spaß hier! Im Zug trafen wir noch einen Jungen, mit dem wir gleich ins Gespärch kamen. Sein Interesse galt vor allem dem Gras-Kurs in Deutschland, der doch noch unter dem rumänischen liegt. Übereinstimmung fanden wir über unsere Antipathie gegen die jeweilige Staatsmacht und die Mentalität der meisten Deutschen. Netter Kerl! In Ploiesti gibt es im Prinzip auch nichts zu sehen. Die Stadt ist bekannt für ihre Erdölförderung und –industrie und vielleicht noch ihren Traditionsclub, der momentan in der zweiten Liga rumdümpelt. Petrolul Ploiesti ist auch so ein Beispiel für Misswirtschaft im Verein und eine zerrüttete Fanszene. Leider gar nicht so untypisch für Rumänien. Nach dem sportlichen Abstieg aus der Divizia A 2002 fusionierte Petrolul ein Jahr später mit dem bis dato unbedeutenden Lokalrivalen Astra Ploiesti zu Petrolul Astra Ploiesti, änderte den Namen aber schon kurz darauf wieder in Petrolul Ploiesti. Inzwischen gibt es Astra wieder (2005 gegründet, von 2007 bis 2009 lief man als FC Ploiesti auf) und spielt seit letztem Jahr sogar wieder in der ersten Liga. Der dreifache Meister Petrolul hingegen darf seit Jahren, wie alle Zweitligisten des Landes seine Heimspiele um 11 Uhr morgens austragen. Da wir das Stadion nie und nimmer rechtzeitig erreicht hätten, schnappten wir uns ein Taxi und für knappe zwei Euro gab’s die kultige Stadtrundfahrt mit der Lärmbelästigung von David Guettas „Sexy Bitch“ in einem Romania-Remix aus den knarzenden Lautsprecher-Boxen.
Für 10 Lei (ca. 2,50 Euro) gab’s Zugang für die Haupttribüne, wo mich gleich der erste Schock des Tages ereilte. Diese geile, alte Schüssel von Petrolul war zu drei Vierteln abgerissen – nur die Haupttribüne war geblieben. Die Tonleiter stimmte bei mir erstmal Moll an, denn wie sich später heraus stellte wird hier ein Neubau für 15.000 Zuschauer gebaut. Wo die herkommen sollen, weiß der nur der Öl-Geier…
Der Zustand des „Rasens“ toppte noch mal das Geläuf von Rapid. Eine einzige Schlammdecke, die durch den Schnee noch mal richtig flutschig wurde. Auf unser Tribüne wateten die Zuschauer durch das nicht ablaufende Wasser. Wenigstens kam von oben heute nichts runter. Links von uns beflaggten die rund 500 Fans und Ultras die notdürftig installierte Stahlrohr-Tribüne und legten mit Spielbeginn gleich mit ihrem Gesangsrepertoire los. Nicht ganz so überzeugend wie gestern, dennoch besser als all das was ich von den meisten Zweitliga-Szenen in Deutschland zu hören bekomme. Man merkt hier einfach die großen Gemeinsamkeiten zwischen der rumänischen und italienischen Sprache. Im ersten Moment dachte ich, dass Gesänge hier eins zu eins mit italienischem Text vorgetragen werden, hehe. Irgendwann ließ aber auch die Sangeskraft nach, immerhin handelte es sich um einen relativ bedeutungslosen Gegner aus einem Kloster-Nest, die ganze zwei „Fans“ auf der Haupttribüne unterbrachten (ich tippe auf den Busfahrer des Teams und den Pressesprecher). Nach 60 Minuten hatten wir vom Schlamm-Catchen genug und schlenderten zurück zum Bahnhof, in der Hoffnung ein kleines Restaurant ausfindig zu machen. Fehlanzeige! Nichts als rumstreunende Hunde, Pferdefuhrwerk, herunterhängende Stromleitungen und quietschende Dacia-Mühlen. Am Bahnhof sah die Lage kaum besser auf. Ein richtig schäbiges Bistro legte für uns Kebap und Hamburger in die Mikrowelle und kredenzte uns das Ganze dennoch kalt. Passte aber auch zum Ambiente mit halb zerrissenen Gardinen und Stühlen mit abgebrochenen Rückenlehnen. Hätten wir einfach mal wie alle anderen die Mici bestellt…
05.03.2010, Stadionul Valentin Stanescu (Giulesti)
FC Rapid Bucuresti - FC Poli Timisoara 1:0
Zwischen den dicht gestaffelten Ansetzungen der Sechzehntel- und Achtelfinal-Spiele des SVW in der Europa League, war für einen Auslands-Trip im Prinzip kaum Platz. Und dennoch überwältigten mich auf’s Neue die süßen Gefühle des Fernwehs. Die Reize des niemals Enden wollenden Flirts mit dem Ungewissen, der quasi kleine, aber legitime Seitensprung zu neuen und außergewöhnlichen Schauplätzen, die ohnehin nie klein zukriegende vagabundierende Begierde in mir und nicht zuletzt die verdammt günstigen Fortbewegungsmittel ließen mir fast keine andere Wahl – den Zuschlag erhielt somit Rumänien. Ein Mitfahrer war in Fitschek ebenso schnell gefunden wie der grobstrukturierte Plan der Route.
Weit vor Festlegung der Spielansetzungen rollten jeweils 19 Euro über die imaginäre WizzAir-Ladentheke, um so günstig mit dem ungarische Zubringer ein paar Monate später die rumänische Vorstadt-Idylle Baneasa bei Bucuresti zu erreichen. Nach Geldwechsel und erfolgreichem Umgehen der Taxi-Meute ging es zunächst mit dem Bus in Richtung City. Das Busticket kostet hier 1,30 Lei, also nicht mal 40 Cent – dieses gilt dann quasi auch als Tages-, für ganz harte Sparfüchse auch noch als Wochenkarte für den örtlichen Busverkehr, da die blauen Schnippel nur einmal gelocht werden, ohne jegliche Stanzung des Datums oder der Uhrzeit. Irgendwo, der Bus hatte sich eine Endhaltestelle im nördlichen Teil der Zwei-Millionen-Stadt ausgesucht, ging es dann per Pedes weiter. Vorbei an viel Brachland, zusammengeflickten Baracken, Sinti und Roma, die sich am Lagerfeuer wärmten und einigen Straßenzügen, die wir im Dunkeln wo kaum betreten hätten. Der erste Eindruck war schon nicht unerwartet, aber dennoch verheerend. Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst auch hier, klar – aber selten wurden mir die Augen für das Elend so sehr geöffnet wie hier am Rande der Mahalas, der Vorstadt-Ghettos von Bukarest entlang der Europastraße 60. Die Zeiten, in denen die EU neuen Mitgliedern mit massiven Finanzhilfen unter die Arme griff, um das wirtschaftliche und soziale Gefälle wenigstens etwas auszugleichen, wie dies in den 1980er Jahren noch mit Griechenland und Portugal der Fall war, sind augenscheinlich längst vorbei. Die harten, marktwirtschaftlichen Bedingungen, die die EU an die Aufnahme geknüpft hat, haben Millionen Menschen zu einem Leben in bitterster Armut verurteilt. Als wir endlich eine Metrou-Station erblickten, konnten wir diese nur durch freundliches Abweisen der uns offerierten Produkte wie Zigaretten, Taschentücher und Blumen betreten. Kaum im Untergrund angekommen, kamen wir aus dem Staunen kaum heraus: Die alten U-Bahn-Wagen sind komplett, von vorne bis hinten mit überwiegend guten Graffiti übersäht. Einfach Wahnsinn, denn bis auf die neuen und mit Wachpersonal ausgestatteten Züge gibt es einfach keine Stelle (mit Ausnahme der Scheiben – auch Scratchings sind hier kaum zu sehen), die nicht vollgemalt wurde. Fußballbezug hat das zwar alles kaum, aber es scheint ganz offensichtlich chillig zuzugehen im Bukarester Underground. Nach 25 Minuten Fahrt ging es wieder ans Tageslicht und schon waren wir in Dristor, dem Plattenbau-Nirwana im Südosten von Bucuresti.
Solche Blockis sind für mich zwar absolut nichts Neues, aber die Behausung in diesen Zehn- bis Zwölfgeschossern war mir bislang vorenthalten geblieben. Dank ausgedruckter Wegbeschreibung fanden wir dann aber relativ fix das gut versteckte Hosteltina, das eine einfach Drei-Zimmer-Wohnung in der neunten Etage im einem dieser grauen Kolosse darstellt und das vermutlich noch nicht mal die anderen Bewohner des Hauses kennen, denn von einem Schild oder Hinweis auf à la „Hostel“ war hier nichts zu sehen. Constantin, der hier mit seiner Mutter lebt, vermietet das Vierbettzimmer für 12 Euro pro Nacht und Person. Da Rumänien im März aber nun wirklich nicht zu den primären Reisenzielen der Haute Volaute gehört (vielleicht hatten Hostel-Suchende auch einfach schlichtweg nicht die detaillierte Wegbeschreibung dabei und irren heute noch durch Dristor) kamen wir in den Genuss, das gesamte und sehr saubere Zimmer für uns zu beschlagnahmen. Viele Gäste bewirtet Constantin derzeit also nicht, aber vor zwei Wochen sei ein junger Mann hier gewesen, der Bucuresti als Durchgangsstation auf seinem Landweg zur WM nach Südafrika mache, erzählte er uns. Nach kurzer Recherche stellte sich heraus, dass es um 96-Schuft Linke handelte. Eigentlich ganz schön, dass wir nicht zur gleichen Zeit hier verweilten...
Lange Rasten war nicht, denn das erste Spiel stand auf dem Programm. Inzwischen hatte es hier begonnen derbe zu schneien, riesige Pfützen und eine Schneematsch-Palette war fortan unser ständiger Bodenbelag. Auf dem Weg nach Giulesti genehmigten wir uns die breite Palette der rumänischen Fastfood-Kette ‚Bucharest Fried Chicken (BFC)’ nahe des großen Piata Unirii und schlitterten weiter zum Bahnhof Basarab, an dem schon die entfernten Flutlichtmasten ausgemacht wurden. Es schneite immer noch. In Deutschland hätten wir uns ernsthafte Gedanken um einen Spielausfall machen müssen – in Rumänien juckt das keine Sau. Nach einem kleinen Umweg über die Gleise lag der Ground des Eisenbahner-Vereins vor unseren inzwischen aufgeweichten Füßen. Karten gab es noch in allen Kategorien (Kurve umgerechnet 9 Euro, Haupttribüne satte 25 Euro), wir machten aber erstmal Bekanntschaft mit Mister Zapzarap, der uns zunächst nach der Herkunft fragte, dann sein ganzes Deutsch-Repertoire präsentierte („Deine Mutter“, „Polizei! Beweise sichern“, „Nichts klauen, zapzarap“) und uns auf einmal in den Innenraum schickte. Wow, so hätte ich mir die rumänische Gutmütigkeit auch nicht vorgestellt. Der Typ war einfach nur kult. Anscheinend irgendein Vereinoffizieller, der allerdings mit Jogginghose und Strickmütze eher den klassischen Haudrauf mimte, haha.
Auf dem Rasen sorgten 50 Anhänger der Giule?tenii für die Beseitigung des Schnees, was ihnen bis zum Anpfiff aber nur unwesentlich glückte. Wir waren mittlerweile auf der überdachten Haupttribüne dieses schönen Stadions. Auf der rechten Seite, spannten gerade die ca. 200 Gäste aus Timisoara ihre Banner an das Plexiglas.
Schon vor dem Spiel ließ sich allein durch die Vielzahl der Gruppenbanner („Torcida Visinie“, „Colletivo“, „Chicos del Infierno“, „Bombardierii“, „DSG 07“, „RHV“) auf dem Peluza Nord der Riss innerhalb der einst vielleicht gereiftesten Szene des Landes ausmachen. Die Official Hooligans-Fahne hängt schon lange nicht mehr, vor zwei Jahren zogen sich auch die Ultras Unione zurück. Es gab große Anfeindungen innerhalb der Szene, die auch öfter in Gewalt endeten. Die großen Gruppen Legione Granata und Official Hooligans sind Geschichte. Kleinere Gruppen entstanden, jüngere Leute rückten mehr und mehr in die Führungsarbeit und verpassten der Curva ein neues Gesicht. Zu Spielbeginn erklangen aber auch heute unheimlich laute und sehr melodische Lieder aus dem mit schätzungsweise 4.000 Leuten gefüllten Peluza. Gerade in den ersten Minuten stiegen auch immer wieder die Fans auf den anderen Tribünen mit ein, so dass es hier teilweise minutenlang derbe laut war. Hinter der großen „FCRP“-Fahne gingen verschiedenfarbige Rauchtöpfe hoch, ein paar Blinkbengalen gab es auch zu sehen. Einfach nur fesselnd, denn trotz der Problemen in der Szene, den Repressionen durch die „Dragomir-Gesetze“ und der Tatsache, dass hier die Gesänge auch ohne Überdachung der Heimfans herüber knallen, ist schon bemerkenswert. Ein wahrhaftiges Traumtor brachte Rapid überdies den Sieg und vorübergehend Platz zwei im Meisterschaftsrennen. Von den Gästen, die ihre bekannten „Poli“-Schwenker mit dabei hatten, kam nicht mehr viel. Ein paar Gesänge, hin und wieder Klatscheinlagen, aber eben kein grandioser Auftritt – wer mag es ihnen verübeln? Die über 600 Kilometer auf einen Freitag können sich die meisten Rumänien bei einem monatlichen Durchschnittseinkommen von knapp 300 Euro schlichtweg nicht leisten. Während es auf dem Schnee-Gras-Gemisch die ein oder andere Rutsch-Einlage zu sehen gab, präsentierte die Heimkurve noch eine Blockfahne mit einigen Blinkis. Der Besuch hier hatte sich definitiv gelohnt – und Poli wird ohnehin irgendwann noch mal ein Besuch bei einem Heimspiel abgestattet. Kurz vor Schluß verließen die Poli-Anhänger geschlossen und entspannt den Block, wurden dabei von Rapid gefeiert, woraufhin es auch ein Erwidern mit „Poli si Rapid ale“ aus dem Gästesektor gab. Neben Polis Kontakten nach Mönchengladbach, von denen heute keine Fahne auszumachen war, pflegt man auch die Freundschaft zu den Eisenbahnern aus der Hauptstadt.
Auf der Tribüne hatte uns ein leicht konfus wirkendender Späher (Talentscout) vom OSC Lille angesprochen und uns angeboten am Sonntag nach Galati und Urziceni mit zukommen, was aber leider mit unseren Plänen kollidierte. Auf unserem Rückweg durchs dunkle Giulesti konnte ich noch eine schöne Eintrittkarte als Andenken aufgegabeln, ehe wir mit ein paar Ursus Bere und Timisoreana Pils ins Bett fielen.
1 Foto von rapidfans.ru
Zum Tamtam im Februar 2010