September 2009



20.09.2009, BayArena
TSV Bayer 04 Leverkusen - SV Werder Bremen 0:0

Der Madeira-Trip lag mir noch in den Beinen, da wurde schon wieder zum sonntäglichen Kaffee und Kuchen, oder besser gesagt zu Aspirin und Prontosil gebeten. Zum dritten Mal in diesem Jahr stellten die Pillen den Gegner unserer Elf dar. Nach Düsseldorf und Olympiastadion ging es also zur Abwechslung mal wieder in deren frisch gelifteten Chemiepark, der an einigen Ecken und Enden einen kleinen Oberrang, rote Sitze und einen stählernen Heiligenschein, wie ihn auch schon des Daimlers Gottlieb trägt, hinzu bekam. Da es im Zuge dieser Sonntag-Nachmittags-Partie wirklich gar nichts Schockierendes (zweites BL-0:0 in Serie) zu berichten gibt, wird dem Spiel auch nicht mehr als nötig Platz eingeräumt (Alles andere würde über den üblichen Jugendschmuddel eh nicht hinaus gehen!). Im Gästeblock fanden sich die Gruppen, anders als die letzten Male hier, zentral stehend ein. Vorteil: Die Sicht auf's Spielfeld ist doch deutlich besser. Nachteil: Keine Fahnen am Zaun (auch dem Ordnergedöns in Leverkusen zu schulden, dem im wahrsten Sinne des Wortes kaum etwas durch die Lappen ging). Stimmung: Es wurde "höher", also weiter oben geträllert. Sonst keine Veränderung, Durchschnitt. Was war noch? Achso, Heimseite nun in der Ecke und mit 'nem flotten Spruch, deren Anfang (Anm. d. Red.: Klammerinhalt Nummer fünf - Nun reicht es aber! Der zweite Teil des SB, der sich auf ein "WIR HABEN GEFEIERT" oder so ähnlich bezog, wurde nach einträchtiger Schwindel-Erkenntnis von den Machern selbst fix entfernt) über die weite Strecken der ersten Hälfte hing: "30.05.09: IHR HABT DEN POTT!" - Wie recht sie doch haben...





18.09.2009, Stade de la Vallee du Cher
FC Tours - AC Arles 3:2

Nach etwa zwei Stunden also mitten in der französischen Loire-Idylle aufgeschlagen, auf dem bislang winzigsten Flugplatz, der mir untergekommen ist (glaube hier verkehrt allen Ernstes nur dieser eine Flug ein paar mal in der Woche), mit Duty Free ist hier nicht viel. Da hier auch kein Bus zu fahren schien, wurde eben einmal diagonal der Feldweg eingeschlagen und nach einer knappen Fußstunde fand ich mich inmitten des 140.000-Einwohner-Nests Tours vor der Jugendherberge wieder, die sogar ein Einzelzimmer mit Frühstück zu akzeptablen 18 Euro übrig hatte. Eingecheckt, Stadtspaziergang, Kultur! Auch hier interessante Geschichte um den Stadtnamen, an dem die allseits bekannten keltischen Turonen ihre Spuren hinterlassen haben. Die Kathedrale Saint-Gatien lockt auch heute noch zahlreiche Pilgerer auf ihrem Weg nach Santiago hierher, mich beeindruckten aber vor allem die kleinen Gassen mit Gebäuden aus dem 16. Jahrhundert. Abends sollte am Stadtrand die Zweitliga-Match zwischen Tours und Arles ausgetragen werden, weswegen ich mein Geschöpf dort auch noch hinbewegte. Einlass heute für Studenten heute bei angenehmen 3 Euro. Irgendwo auf die überdachte Haupttribüne dieser alten 13.000-Plätze-Schüssel gepflanzt und noch mal 90 Minuten unterhaltsamen Fußball geschaut. In den Kurven war nämlich so herzlich wenig los, dass dieses Spiel aus Tifo-Sicht ein Griff in die Tonne war. Die Supras Tours haben sich längst aufgelöst und aus dem über 700 Kilometer entfernten Arles (treten derzeit unter dem Namen Arles-Avignon auf, um mehr mehr Fan-Gunst in der Heimat zu erhalten) hat es nicht eine Gestalt geschafft. Sei’s drum, der Verband legt die Zweitligaspiele stets auf den fanunfreundlichen Freitagabend, günstige Gruppenkarten bei der Bahn gibt es im Gegensatz zu Deutschland auch nicht. Mal ganz davon abgesehen: Habt ihr schon mal was von einer Fanszene in Arles gehört? Der 30-köpfige Haufen hinter der hässlichen „Tours N' Boys“-Fahne versuchte mit einigen Schwenkern auf sich aufmerksam zu machen, meist stimmte jedoch die Haupttribüne etwas an, in dessen Schall „das eigene Ding“ der Jugendlichen völlig unterging. Das Spiel war, wie erwähnt ganz flott. Vor allem Tours Olivier Giroud brillierte heute, in dem er alle vier Treffer für die Gastgeber markierte. Nach Abpfiff tat sich für mich gleiches Problem wie in Funchal auf: Es fuhr kein Bus mehr. Hilft ja alles nichts, also noch mal einen strammen Fußmarsch von 75 Minuten zurück in die City, in der sich das Studentenvolk zur späten Stunde tümmelte. Hier war echt der Teufel los: Viel Lärm, viele Kneipen, viele Fressbuden. Auch für mich gab’s den Kebap für 3 Euro, ehe ich mich in die Federn begab. Am nächste Morgen das üppige, für Frankreich total untypische Frühstück ausgekostet, mit dem Zug für relativ teure 30 Euro die knapp drei Stunden nach Paris, Gare de Austerlitz und bei schönstem Wetter durch die bevölkerten Straßen geschlendert. Noch ein Baguette für die Rückfahrt, ehe es via Mitfahrgelegenheit vom Porte de la Chapelle zurück nach Deutschland ging. Netter Ausflug! :-)





17.09.2009, Estádio da Madeira
CD Nacional - SV Werder Bremen 2:3

Von Kasachstan in den Ozean! Die Hoffnung auf weitestgehend machbare Gegner, also aus rein sportlicher Sicht, ist Werder dieser Tage gewiss. Um die für Fans finanzierbaren Fahrten brauch man sich allerdings erst gar nicht sorgen. Es kostet schlichtweg soviel, dass bei den Allermeisten erst gar nicht Reiseroute gecheckt oder Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben werden. Europacup-Trips für mehrere 100 Euro (wohl bemerkt nach einer finanziell stark beanspruchenden Vorsaison) sind für das Gros der Szene einfach leider utopisch. Nachdem sich Werder im August also bereits in Zentralasien für die Gruppenphase der Europa League qualifizierte, stand nun der Weg zum ersten Gruppenspiel eben jener Gruppe L an. Statt 4.000 Kilometer Richtung China, ging es nun also „nur“ knapp 3.500 Kilometer Luftlinie nach Südwesten, quasi lediglich einen Steinwurf vor der Küste Marokkos, in das Rentnerparadies des Atlantiks. Die zu Portugal gehörende Blumeninsel Madeira ist zwar per Billigflug von einem deutschen Flugplatz erreichbar, aber zwei Wochen vor Reiseantritt bist du eben mit locker 400 Euro dabei. Also wurde in einer strapaziösen Nachtschicht die Low-Cost-Variante ausgeknobelt und letztlich war eine viertägige Tour mit sechsmaligem Umstieg zusammen geschustert. Der Geldbeutel gab sein wirklich Letztes, unter dem Strich wurde der komplette Ausflug für unter 250 Euro veranstaltet. Mittwochmorgen also das knapp bemessene Handgepäck geschnappt und in den Zug gehüpft, der mich nach ein paar Stunden in Basel auskippte. Dort absolute Sorgfalt, alles lief wie ein Schweizer Uhrwerk (24 Stunden später sah dies wohl auch ein wenig anders aus, als Basel die zum Europacup anreisenden Ultras der Roma mit Steinen empfingen)… Nur: Die Leihe nach einem Kugelschreiber wurde mir im Bahnhofsgebäude allenthalben verweigert – Schweinegrippe-Gefahr! Hiiilfe! Bloß weg hier. Hypochonderli… abscheuli! Mit easyjet ging es dann für’n schmalen Taler nach Lissabon, das mich mit angenehmen 27 Grad empfing. Landeanflug auf Lisboa übrigens immer wieder cool (erst quer über die Stadt, dann eine Runde über den Atlantik), lediglich die Einflugschneise in Napoli fetzt noch mehr. Huch, auf einmal wurden mir „Welcome BATE Fans“-Schilder unter die Nase gehalten. Moment mal, nur weil Benfica den Europacup-Ofen anschmeißt wird hier gleich ein weißrussischer Auflauf erwartet? Wird wohl Lukaschenko für gesorgt haben… Eigentlich war nun der Besuch des zur Expo 98 eröffneten Mega-Aquariums „Oceanário“ geplant, das ich bereits vor neun Jahren besucht hatte. Da dort aber um 18 Uhr bereits die Pforten geschlossen wurden, schlenderte ich eben noch ein wenig durch die Straßen und gab mir den Sonnenuntergang am Tejo. Insgesamt gefällt mir Porto allerdings weitaus besser als das Baustellen übersäte Lissabon. Nach ein paar Stündchen Ruhe auf der gekachelten, dunklen Koje im Aeroporto, hieß es am frühen Morgen einchecken nach Madeira. Nun immerhin nicht mehr ganz alleine, da Sven auch mit dem britischen Billigbomber gebucht hatte. Nach zwei weiteren, völlig verpennten Stunden setzten wir auf dem Eiland auf, das uns mit der vielleicht abgefahrendsten Landebahn weltweit empfing. Diese wurde erst vor ein paar Jahren für 500 Mio. Euro um sage und schreibe 1000 Meter ins Meer verlängert. Noch immer benötigen Piloten eine Spezialschulung für den Anflug, der zu den „schwierigsten anzufliegenden“ auf der Erde zählt. Nach heftiger Vollbremsung gab’s also Bekreuzigungen, wohin man schaute. Klar, schließlich hat uns kein Geringer als Jesus himself heil zu Boden gebracht! Von dort ging es mit einem schön klapprigen Linienbus etwa 40 Minuten über die Bergdörfer nach Funchal. Die üppige Vegetation, in Verbindung mit den im Hintergund glitzernden Ozeanwellen waren Anlass genug, nicht nur einmal auf den Auslöser der Kamera zu drücken. Eine wirklich schöne Insel, die im Gegensatz zum beispielsweise mallorquinischen Ballermann- und Sauftourismus wirklich was zu bieten hat. Mit knapp 100.000 Einwohnern ist Funchal die neuntgrößte Stadt Portugals, die ihren Namen dem dort ehemals reich wachsendem Fenchel (igitt!) zu verdanken hat. Glücklicherweise wird in der Madeirensischen Küche kaum Fenchel verwendet, weswegen wir uns gleich in einem Restaurant abseits der Touristenfallen in einer kleinen Seitenstraße uns leckere Steaks oder landestypischen Bacalhau (Stockfisch) mit Beilagen zu nicht mal sieben Euro einverleibten. Der anschließende Bolo de mel (Honigkuchen) war dann allerdings wirklich der beste Gaumenschmaus, den ich seit langem hatte. Funchal ist ein wirklich schönes Nest mit nettem Zentrum, aber auch Hotelburgen mit überdimensionierten Poollandschaften. Das Inferno aus Abgasen, Staus und Baulärm hat man seit dem Ausbau der Schnellstraßen aus der Stadt geworfen. Wir chillten derweil noch etwas am Kieselstrand (Badehose war dabei, die Sonne hatte für heute allerdings nur Cameo-Auftritte), latschten kurz am örtlichen Casino vorbei, spotteten das zur Zeit im Umbau befindliche Estádio dos Barreiros von Stadtrivale Marítimo und quälten uns dann mit dem stark überfüllten Linienbus die verdammt steilen und von Serpentinen überschwemmten Wege hoch zum Estádio Rui Alves, neuerdings auch Estádio da Madeira genannt. Das kleine Stadion von Nacional befindet sich nämlich 600 Meter über dem Meer auf einem Berg über der Stadt, von dem man allerdings eine dermaßen geile Aussicht auf Funchal und den Atlantik hat, so dass sich dieser Trip schon deswegen gelohnt hat. CD Nacional ist in luftiger Höhe übrigens kräftig am Werkeln: So wurde jüngst eine neue Haupttribüne eingeweiht und das Trainingsgelände modernisiert und nach dem derzeit berühmtesten Sohn der Stadt, Christiano Ronaldo, benannt. Vor dem Gästeeingang wurden wir, wie erwartet nicht von Ordnern, sondern von den einheimischen Bullen, penibelst abgetastet. Im Gästeblock, in dem sich neben ca. 60 Werder-Fans und Ultras auch 20 deutsche Urlauber befanden, folgte gleich das nächste Desaster: Ein Rentner hatte wohl völlig die Fassung verloren und spazierte hier mit HSV-Basecap durch die Reihen. Nach einmaliger Aufforderung den Block zu verlassen, folgte er diesem Rat und pflanzte sich fortan hinter zwei Polizisten auf die Haupttribüne zu den Heimfans. Am quietschfidelen Support beteiligten sich fortan 25 Grün-Weiße (juhu!), ausgestattet mit ein paar Schwenkern und Doppelhaltern, dazu hingen sieben Zaunfahnen. Die Heimseite fiel vor allem durch vor allem aus Russland und Südafrika bekannte, nervende Tröten, einige Trommelrhythmen und Abwesenheit auf. Eine Szene, geschweige denn Kurve (allein aus baulichen Mängeln des Stadions) hat Nacional nun mal nicht, heute bequemten sich etwas mehr als 3.000 Zuschauer den Berg hinauf. Da der lokalen Polizei, wie so oft (nur selten fliegen Gästefans zu Ligaspielen nach Madeira) auch heute zunächst langweilig war, kam dem ersten Gendarm die Idee, zwölf Klone seiner Gefolgschaft uns direkt vor die Nase zu setzen und somit eine völlig unverständliche Provokation einzuleiten. Anti-Polizei-Gesänge in allen uns erleuchtenden Sprachen ertönten nun und als Torsten Frings das das 1:0 für Werder erzielte gab’s eben auch einen kleinen Run an die Zäune, über die Bullen hinweg. Nun hatte Bullenchef Rui Niert endgültig die Faxen dicke und fing an, den Knüppel zu polieren und ein Absperrband vor die erste Reihe zu spannen. Für ihn gab es vornehmlich aus der eigenen Polizeiriege Gelächter. Ohne den ganzen Repressionsmist in Deutschland verharmlosen zu wollen, ist und es bleibt traurige Gewissheit, dass die Staatsmacht in spanischen und portugiesischen Stadien doch noch um einiges krasser zu Werke geht. Damit sind nicht solche Belanglosigkeiten gegen 25 Anhänger wie heute gemeint. Ich erinnere ungern auch noch mal an den (grundlosen) Stress, den wir bei fast jedem Spiel auf der iberischen Halbinsel mit den Cops hatten. Die Freude über die drei entführten Punkte, die Claudio Pizarro (zwischenzeitlich hatte Nacional eine 0:2 aufgeholt) mit zwei Toren sicherte, konnte das beileibe nicht vermiesen. Und es kam noch besser: Als wir nach Spielende so wirklich gar keine Lust verspürten uns mit 3.000 wartenden Portugiesen um die begehrten Plätze im letzten Linienbus zu kabbeln und die zehn Kilometer runter nach Funchal auch nicht zu Fuß latschen konnten/wollten, fragten wir kurzerhand bei Aaron Hunt nach, ob denn noch ein wenig Platz im Teambus für uns sei. Aaron verwies auf Klaus Allofs und Thomas Schaaf und großartige Chancen auf eine Mitfahrgelegenheit der besonderen Art rechneten wir uns nicht aus. Um so überraschender, als Manager Allofs ohne lang zu zögern unserem Haufen freundlich Einlass gewährte und wir uns so in die gemütlichen Sitze neben Spieler und Betreuer fallen lassen konnten. Ein einmaliges Erlebnis und eine wirklich coole Geste. Die meisten Spieler waren sichtlich erschöpft - geschnackt wurde dennoch, was die 15-minütige Rückfahrt nun wirklich zu einer unvergessenen Krönung dieses Europapokal-Auswärtsspiels machte. Nachdem wir im Stadtzentrum wieder abgesetzt wurden, ging’s unter dem Schwenken von grünen Bengalos und mit freudigem Gesang zur nächsten Kneipe, die sich als örtliche Chemiehölle heraus stellte. Leute marschierten hier ein und aus, ohne auch nur irgendwas zu trinken. Stattdessen verschwanden sie auf der Toilette, die eine großzügige „Ablagefläche“ vor einem Spiegel zu bieten hatte, hehe. Nach einigen Runden zogen wir auf die großzügig angelegte Terasse eines Hotels weiter, ehe wir um 5 Uhr mit dem Taxi zum Flughafen fuhren. Hier noch zwei Stündchen auf den verdammt gemütlichen Sofas (Wo gibt’s denn bitteschön so was? Für Airportsleeping-Reisende wahrhaftig ein Traum!) die Augen geschont, anschließend ging es dann völlig verratzt mit tap nach Porto, dort fix ein „adeus“ zu den anderen Weiterreisenden, denn mein Ryanair-Vogel nach Tours wartete bereits.





13.08.2009, Weserstadion
SV Werder Bremen - Hannover 96 0:0

Whatever happened to the Hannois?! Keine geschlossene Anreise, kein Fanmarsch, keine Rauchwolken aus dem Gästeblock. Und die Bullen? Denen war das alles so suspekt, dass nach dem Spiel die Strategie „Hau drauf, was sich schneller bewegt, als Durchschnitts-Polyp denken kann“, vornehmlich gegen Niedersachsen ausgefahren wurde. Ein bunter Haufen aus 150 Jugendlichen, viele kleine verstreute, auf Liebesabenteuer gepolte Cliquen und natürlich „Agent Provocateur“, mal mit Wanne, mal mit Zivil-(Retour-)Kutsche, mal mit Gaul und Stute unterwegs, geben euch ein kleines Bild von den Zuständen im Viertel, das jedoch auch schon deutlich stressigere Tage erlebt hat.
So, wech vom kujonierenden (!) Murks mit Bizeps-Laiendarstellern, hin zum bislang ungeschriebenen Käse mit (noch erschlaffenderen) Normalo-Touch, basierend auf dem Erlebten im Stadion: Verdammte Axt, was war das denn? Keine Tore gegen Scheiß Sechsundneunzig?! Das Spiel war einfach nur lange nicht mehr erlebter Schrott. So ein Hafer! Seit dem 0:1 in Karlsruhe im Dezember 08 die mieseste Vorstellung der Grün-Weißen! Das einzige was glänzte, waren die Haare von Claudio Pizarro in der wärmenden September-Sonne. Was natürlich gleich doppelt ankotzt, sind die Fans, die sich bereits zur Halbzeit (denn auch da stand es – Obacht! - 0:0) ihr Herpes-Furunkel aus der Seele pfiffen. Pfeifkonzerte können ja hin und wieder ganz geräuschvoll und wirksam sein. Wenn Pfiffe gegen die eigene Mannschaft gehen hab ich in den meisten Fällen allerdings ein verdammtes Problem damit. Aufmunternd oder spielfördernd ist das ganz sicher nicht. Im Gegenteil: Sich nach einer schlechten Halbzeit des SV Werder den luftleeren Raum zwischen den Ohren raus zu pfeifen, zeigt einfach nur die dümmliche Inkonsequenz dieser Leute, die sich zuvor noch den neusten olivgrünen Fanshop-Schal mit Torsten Frings-Antlitz gehamstert haben und nach dem Spiel womöglich damit prahlen, dass sie das Auto von Tim Wiese gestern in der Daniel-von-Büren-Straße gesichtet haben. So geht Schwachmat heute…
In der Ostkurve gab es zu Spielbeginn ein großes „Kein Fußball den Faschisten“-Transpi zu sehen und allerhand Doppelhalter, darunter einige neue, schicke Exemplare. Gut aufgelegt ging die Kurve zumindest die ersten 20 Minuten an, ehe sich alles in einem wirklich lethargisch lümmelnden Brei zusammen sang, der weit unter den zu Hauff gehegten Ansprüchen liegt. Im Gästeblock schien einiges im Argen zu liegen. Nicht nur, dass der Auftritt der mit Abstand schwächste von Hannover hier in letzter Zeit war, in der zweiten Halbzeit war dort ja rein gar nichts mehr aus meinem, zugegebenermaßen weit entfernten Standpunkt zu erkennen. Mal davon ganz abgesehen sind die derzeitige Form des Gästesektors und dessen relativ nahe Distanz zum Spielfeld doch echte Argumente für guten Support, oder nicht? Sollte genutzt werden, so lange dies noch möglich ist. Wie gut oder schlecht die Bedingungen in dem zukünftig im Oberrang mit Plexiglasscheibe umrahmten Block sind, wage ich nicht einzuschätzen. Nach dem ganzen Viertel-Kuddelmuddel ging’s dann auch mit der üblichen Meute nach Hause. Grüße an den Besuch aus Essen!

Merci für die Bereitstellung der Fotos



Zu den Köstlichkeiten im
August 2009